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Der Schluchtensteig, 4. Etappe

Der Schluchtensteig, 4. Etappe

Von Oberfischbach nach St. Blasien – 22 Kilometer entlang des Schluchsees, über Muchenland und auf dem historischen Glasträgerweg.

Wir schlafen tief und fest und im Morgengrauen werde ich von dem leichten Rauschen der hohen Tannen rund um uns geweckt. Was für ein einzigartiges Gefühl, so ganz alleine in der Natur. Beruhigend und friedlich. Die Sonne geht langsam auf und ich beobachte die Szenerie, eingekuschelt in meinen Schlafsack. Dann bekomme ich Hunger und der Tag fängt an.

Unser Lagerplatz frühmorgens bei Sonnenaufgang

Unser Lagerplatz frühmorgens bei Sonnenaufgang

Uli erwacht langsam auch aus seinem Tiefschlaf und nach einer Morgentoilette am Brunnen können wir unsere über Nacht getrockneten, sauberen Kleider anziehen.

Wir benötigen für Frühstück, Zeltabbau und Rucksäcke packen alles in allem 90 Minuten und dann geht’s hinunter zum Schluchsee. Zuerst allerdings geht es noch ein Stückchen bergauf, zum Bildstein. Von dort hat man einen herrlichen Ausblick auf den See, den wir ein paar Minuten genießen. Denn es bläst ein frischer Wind.

Der Bildstein oberhalb des Schluchsees

Der Bildstein oberhalb des Schluchsees

Nun geht die Strecke moderat bergab, nach einer halben Stunde sind wir am Hotel Auerhahn und Uli muss unbedingt einen echten Milchkaffee trinken. Der Cowboy-Kaffee, den wir uns morgens zubereiten, kann da nicht mithalten.

Den See umrunden wir dann auf dem Seerundweg in nordwestlicher Richtung, der fast schon als Autobahn zu beschreiben ist. Dutzende Wanderer und Biker kommen uns entgegen und wir wollen nur noch schnell an ihnen vorbei. Es wird teilweise richtig eng. Dann beim Unterkrummenhof wird’s noch voller, ist dieses Gasthaus doch ein beliebter Zielpunkt für Wanderungen am und um den Schluchsee. Wir trinken ein erfrischendes Spezi und legen uns dann an den See. Die Sonne steht nun schon ziemlich hoch, Badende genießen das kühle Wasser und wir die relative Ruhe.

Rast am Unterkrummenhof

Rast am Unterkrummenhof

Nach einem kleinen Imbiss brechen wir auf, Richtung St. Blasien. Ich hatte mich auf diese Strecke schon sehr gefreut, denn sie verläuft über das Muchenland, einer schönen Hochebene mit Alpenblick, um dann als Krönung den Blick auf die Kuppel vom Dom in St. Blasien zu bieten. Doch zunächst geht die Autobahn langweilig durch den Wald, immer auf breiten, geschotterten Wegen und bald rebellieren meine Muskeln. Das gleichförmige Gehen schlägt auf die Waden und macht mich müde. Die Entschädigung kommt am Muchenländerbrunnen. Hier machen wir eine längere Pause und ich wasche meine Haare an der Quelle. Das Wasser ist eiskalt und sofort sticht meine ganze Kopfhaut. Aber ich bin herrlich erfrischt und meine Haare fühlen sich wieder sauber an. Übrigens – wenn wir uns unterwegs in Bächen oder an Quellen waschen, benutzen wir ausschließlich spezielle Waschmittel, ohne Emulgatoren und biologisch abbaubar.

Schluchtensteig_4_Hochebene im Muchenwald

Ruhe im Muchenland

Schluchtensteig_4_Im Muchenland

Auf dem Glasträgerweg

So erfrischt geht es weiter und die Strecke wird nun abwechslungsreicher. Der Blasiwald-Muchenland-Weg führt an Schautafeln vorbei, die eindrücklich die Situation der Einwohner in den vergangenen Jahrhunderten zeigen. Bereits seit Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Glashütten errichtet, in denen Glas hergestellt wurde. Die Hauptabnehmer waren Klöster, Kirchen und Adelssitze, sie benötigten Glas für den Fensterbau und für die Bewirtung der Adeligen. Die Glasbläsereien boten der ganzen Gegend einen bescheidenen Wohlstand durch den Handel mit Glasprodukten. Mitte des 19. Jahrhunderts war es mit der Glasmacherei vorbei, die Hütten lagen still. Von dieser Zeit zeugt der traditionsreiche Glasträgerweg, auf dem wir nun ein Stück Richtung St. Blasien marschieren. Auf diesem Weg trugen die Glasbläser in ihren großen Körben ihre Ware auf dem Rücken von Ort zu Ort, um damit Handel zu treiben.

Nun wird der Weg richtig abenteuerlich, durch den Bannwald der Wildbergschlucht geht es die letzten Kilometer nach St. Blasien.

Im Bannwald von St. Blasien

Im Bannwald von St. Blasien

Schluchtensteig_4_Dom St. Blasien

Dom zu St. Blasien

Mittlerweile ist es bereits kurz nach 19 Uhr und ein Gewitter zieht heran. Meine Füße fühlen sich an, als ob ich doppelt so lange gelaufen wäre und dabei waren es bis hier „nur“ 22 Kilometer. Als die Kuppel des Doms in unser Blickfeld rückt, geht’s etwas leichtfüßiger in die Innenstadt. Wir gönnen uns eine Pause und Uli kann mein leidendes Gesicht nicht mehr mit ansehen. Er überrascht mich mit einem Zimmer im Hotel Klostermeisterhaus. Dieses Gebäude im Klosterensemble wurde stilvoll renoviert und restauriert, die Einrichtung zeigt Geschmack. Die jungen Eigentümer, Familie Lausterer, haben ein Händchen für liebevolle Details.

Wir duschen und machen erfrischt einen Abendspaziergang durch die idyllische Kleinstadt, schauen kurz beim Dom vorbei und genießen ein leckeres Abendessen, bevor der Regen uns zurück ins Hotel treibt.

Der Schluchtensteig, 3. Etappe

Der Schluchtensteig, 3. Etappe

Von der Schattenmühle nach Oberfischbach am Schluchsee. 18 km durch kühle Schluchten, dunkle Wälder und mit manchen Überraschungen.

Dagmar im ZeltObwohl wir so dicht am Fluss stehen, wachen wir am Morgen trocken und behaglich in unserem Zelt auf. Wir sind wieder mal froh, dass wir ein Doppelwandzelt haben und das Salewa Sierra Leone II hat sich längst bezahlt gemacht.

Das kalte Wasser lässt nur eine Katzenwäsche zu und dann freuen wir uns auf das Frühstück. Es ist noch früh, erst halb acht und dementsprechend kühl ist der Morgen. Aber eine Tasse heißer Kaffee und zwei Scheiben Brot mit selbstgemachter Himbeermarmelade bringen uns schnell auf Touren. Himbeerbrot

Sicher fragt sich der eine oder anderes, ob es sinnvoll ist, soviel Proviant mitzuschleppen. Das muss jeder für sich selbst beantworten, für uns jedoch gehört ein bisschen Luxus auch zum Trekking dazu und so tragen wir das eine oder andere Gramm zuviel mit Gleichmut.

Dann heißt es wieder „aufsatteln“ und meine 17 kg fühlen sich mittlerweile schon ganz entspannt an. Direkt vor uns zieht sich der Schluchtensteig in steilen Treppen den Waldhang empor.

 

Treppe we am Räuberschlössle

 

Bis er dann in eine angenehm ebene RichtunGruppenbildg über taufeuchte Wiesen hoch zur Baar aufnimmt. Dem schönen Weg folgen wir bei strahlendem Sonnenschein und Vogelgezwitscher entlang dichter Brombeerhecken, bis wir nach etwa zwei Kilometer zum Räuberschlössle kommen. Dieser 80 Meter hohe Felsen bietet einen spektakulären Blick auf einen der tiefsten und wildesten Schluchtenabschnitte und diesen Eindruck wollen sich einige andere Frühwanderer nicht entgehen lassen. Auch das Paar aus Hamburg ist schon da und wir machen lachend gemeinsame Fotos.

Das Räuberschlössle war eine kleine FelsenburgAusblick vom Räuberschlössle, die im 14. Jahrhundert von den Herren von Blumegg als Neu Blumegg auf einem steilabfallenden Felsen errichtet wurde. Strategisch war sie nie von großer Bedeutung, aber nach ihrer Zerstörung im Bauernkrieg um 1525 diente die Burg als Unterschlupf für so manch zwielichtiges Gesindel, dem sie auch ihren Namen verdankt. Bis auf wenige Mauerreste blieb von der Burg nur noch der wunderbare Aus- und Tiefblick in das Wutachtal.

Nun geht es weiter Richtung Westen und schon bald kommt das ehemalige Wasserkraftwerk Stallegg in das Blickfeld. Das Gebäude ist, nachdem es 1979 aufgegeben wurde, wieder hübsch hergerichtet und liegt idyllisch am Flussufer. Von hier wurde fast 100 Jahre lang der Strom für die Bierbrauerei derer zu Fürstenberg und das gleichnamige Schloss geliefert.

Bannwald2Weiter geht’s durch den Forstbetrieb von Fürst zu Fürstenberg zu einer lauschigen Lichtung, an der der Rötenbach in die Wutach mündet. Wir haben Teedurst und machen uns mit dem frischen Quellwasser einen heißen Tee und genießen die Ruhe auf den bereitgestellten Bänken. Leider nicht lange, da eine Gruppe Wanderinnen mit viel Hallo und Gelächter aus dem Wald kommt. Na gut, also einpacken und weiter, schließlich liegen noch 13 Kilometer vor uns.

Jetzt wird es wieder steil und wir gehen über schattige Pfade immer der Wutach entlang. Oftmals ist der verwurzelte Pfad nur knapp einen halben Meter breit und wir müssen sorgsam auf unsere Schritte achten, da links von uns der Hang steil abfällt. So gehen wir schweigend, genießen die Ruhe und das filigrane Sonnenspiel in den Blättern.

 

Immer wieder bleibt Uli stehen und fotografiert, hinterDann eben drüberher werden wir sehen, dass sich die Bilder alle gleichen: grünes Blattwerk, felsige Schlucht, tief unter uns die rauschende Wutach, über uns die Wipfel der hohen Bäume. Aber wie schon Konfuzius sagte: der Weg ist das Ziel und wir genießen ihn.

Was uns besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass der Wald ziemlich unberührt ist. Entwurzelte Bäume bleiben einfach sich selbst überlassen; liegen sie dummerweise quer über dem Weg, müssen wir halt selbst sehen, wie wir da weiter kommen. So hilft oft nur klettern.

Mittlerweile ist es bereits Mittag, die Sonne seht hoch und da wir an dem Zusammenfluss von Wutach und Haslach angekommen und alleine sind, nutzen wir die Gunst der Stunde für ein erfrischendes Bad. Herrlich, das weiche Wasser auf der Haut zu spüren und sich zu erfrischen.

EngpassMit rutschfesten Schuhen gehe ich weit in die Wutach hinein und finde eine Gumpe. Eine perfekte „Badewanne“; besser kann es nicht sein. Erfrischt und sauber geht’s dann weiter und wir sind froh, dass wir neue Kräfte getankt haben. Denn es geht von nun an steil bergan, durch die Haslachklamm über den Rechenfelsen bis zum Hölllochfelsen.

Dieses Stück geht wirklich in die Beine und mein Rücken protestiert über die 17 Kilogramm zusätzlichem Gewicht. Vorbei an steilen Abhängen, über Holzstege und Wurzeln.

Aber dafür lohnt sich der Aufstieg! Eine Aussichtskanzel bietet einen Blick über die bereits zurückgelegte Strecke und über das dichte grüne Laubdach der Bäume. Hier wollen wir etwas verweilen. Es gibt Orte, die ziehen einen in den Bann, sind magisch. Und dieser Felsen hoch über der Haslach ist einer davon.

nach LenzkirchDoch nun ist die meiste Anstrengung geschafft. Weiter geht’s über einen breiten sonnenbeschienenen Weg direkt nach Lenzkirch.  Hier finden wir in der Ortsmitte ein Café und sinken wohlig in die Stühle. Ich ziehe meine schweren Wanderstiefel aus und gönne meinen Fußzehen etwas rhythmische Gymnastik. Wir beobachten ein Filmteam, das gerade einen Film dreht und nach einer halben Stunde fühlen wir uns ausgeruht genug, um das letzte Stück nach Fischbach zu gehen. Lenzkirch_Rathaus

Doch erst geht es wieder einmal hoch, vorbei an einer Schautafel, die in anschaulicher Weise die Entstehung der Gesteinsformationen dieses Gebietes erklärt. Riesige Fels- und Gesteinsbrocken liegen am Wegrand und zeugen von der erdgeschichtlichen Vergangenheit dieser Gegend. Interessiert lesen wir die Hintergründe eines jeden Steins beziehungsweise der geologischer Formation. Gesteinskarte

Mittlerweile steht die Sonne schon tief und lange Schatten künden den Abend an. Zeit, einen Zeltplatz zu finden. Doch es geht immer weiter hinauf, vorbei an einer Kapelle und zwei großen Höfen.Kapelle bei Lenkirch_Schwende

Wir entdecken ein Hinweisschild – Käse und Joghurt zu verkaufen. Und tatsächlich, als wir fast oben am Waldrand angekommen sind, stehen wir vor einer Käserei. Ach, das ist ja der Besitzer vom Käsekästle, ruft Uli. Den kenne ich vom Markt in Emmendingen. Und tatsächlich, wir sind am Schwendehof und Christoph Schäfer, gelernter Landwirt mit Zusatzqualifikation als Käser, bewirtschaftet den 250 Jahre alten Hof seit dem Jahr 2000. Seit 2006 werden hier 70 Milchschafe gehalten und die Kuhmilch kommt vom Hierahof. Von beiden Betrieben wird die Milch in der Käserei zu verschiedenen Käse- und Milchprodukten verarbeitet – nach Biolandkriterien.

SchwendehofWir setzen uns auf die Holzbank, holen aus dem Kühlschrank einen Biokäse und ein Glas Heidelbeerjoghurt und dazu ein kühles Bier. Mit Christoph Schäfer kommen wir gleich ins Gespräch über Biohaltung und –nahrung, über die Schönheit der Landschaft und das oftmals beschwerliche Leben hier oben, vor allem im langen Winter. Genüsslich verspeisen wir den Käse und unsere weiteren Vorräte aus den Tiefen der Rucksäcke. Jetzt merke ich, dass ich doch ziemlich müde bin und denke mit Grausen an den ansteigenden Weg durch den Wald nach Oberfischbach. Doch wir haben Glück, Christoph kennt den lauschigen Sportplatz, der oben im Wald samt einer Grillhütte versteckt liegt. Es seien nur noch 15 Minuten, meint er und satt und fröhlich machen wir uns auf den Weg. Und tatsächlich, nach etwas mehr als einer Viertelstunde erreichen wir den wunderschönen Grillplatz mit Hütte und einem fröhlich sprudelnden Brunnen. Eine junge Familie packt gerade ihre Picknicksachen in ihr Auto und überlässt uns lächelnd ihre restlichen, auf dem Grill liegenden Würstchen.

WürstchenWir freuen uns über diese nette Geste und essen in der untergehenden Abendsonne. Es ist vollkommen still, nur die Tannenwipfel rauschen und die Welt kommt uns so friedlich vor. Da wir alleine sind, können wir uns ungeniert am Brunnen waschen und wir haben sogar noch genügend Licht, unsere Wanderkleidung ebenfalls zu waschen. Nachdem wir diese zum Trocknen an der mitgebrachten Leine aufgehängt haben, bauen wir in Nullkommanichts unser Zelt auf und wenige Minuten später liegen wir satt, müde und zufrieden in unseren Daunenschlafsäcken – Morpheus kann kommen.

Der Schluchtensteig 2. Etappe

Der Schluchtensteig 2. Etappe

Die Entscheidung für das Gästehaus Ursula war goldrichtig. Es regnete die ganze Nacht. Wir genossen den Komfort. Die nassen Sachen hingen im Trockenraum und was morgens noch nicht trocken war, wanderte für 10 Minuten in den Trockner. Die Erfahrung von unseren letzten Trekking-Touren bestätigte sich. Am zweiten Morgen spürt man seinen Körper am meisten, es werden Muskeln beansprucht, die man sonst nicht braucht, der Milchsäurepegel ist signifikant erhöht und wir lachen über unseren leicht eirigen Gang zum Frühstücksraum. Dort treffen wir die beiden Schweizerinnen wieder und wechseln ein paar Worte. So gestärkt geht es auf die zweite Etappe, die schon wieder einen km länger ist, weil wir nun noch ein gutes Stück durch Blumberg zu laufen haben, das Stück, das der Mercedes gestern in zwei Minuten zurükgelegt hat.

 

Gott sei Dank verziehen sich die Wolken schnell. Wir ahnen schon jetzt, dass es ein wunderschöner Tag werden wird.

Schluchtensteig_2_EtappeDie eigentliche Tour durch die Wutachschlucht verläuft von der Wutachmühle zur Schattenmühle. Das ist auch das Tagesprogramm vieler Touristen. Meistens wird das Auto bei der Wutachmühle geparkt. Vo dort fährt ein Bus zur Schattenmühle und man wandert durch die Schlucht zurück. Das haben wir vor 2 Jahren auch schon gemacht und so freuen wir uns heute, den Weg in entgegengesetzter Richtung zu laufen.

Aber bis zur Wutachmühle sind es noch rund 6 km. Gut gelaunt starten wir Richtung Achdorf und schon direkt hinter Blumberg kommt das erste Highlight, die Schleifenbachwasserfälle. Wo einst die Feldberg-Donau vom eiszeitlichen Seebachgletscher als einer der Hauptquellflüsse der Donau entgegenströmte und eine tiefe Schlucht hinterließ, fließt heute der Schleifenbach mit seinem Wasserfall zurück zur Wutach. Das heißt aber für uns, auf Treppen und Leitern runter in die Schlucht und auf der anderen Seite wieder rauf. Nichts für Wanderer mit Höhenangst. Mit unseren großen Rucksäcken müssen wir auch sehr vorsichtig sein, denn durch den vielen Regen der letzten Nacht ist es glatt und rutschig, vor allem bergab. Gute Wanderschuhe sind hier ein unbedingtes Muss.

 

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Spätestens jetzt ist uns warm. Aber es folgt nun eine chillige Strecke auf breiten Wegen. Der Himmel wird immer blauer und wolkenloser und Achdorf ist nicht mehr weit. Von Achdorf aus kann man übrigens auch hervorragend eine Tagestour durch die Wutachflühen unternehmen. Es sind immer wieder die unverhofften kleinen Überraschungen, die solche Touren interessant machen. Teile der Strecke sind auch Bestandteil des Jakobswegs und so finden wir in Achdorf doch tatsächlich eine Pilgerherberge mit einem „Schlechtwetterraum“, einer Scheune mit Bierbänken und heißem Tee ausgestattet, die Wanderern bei schlechtem Wetter Schutz bietet. Mehr Komfort bietet hingegen die Scheffellinde – benannt nach dem Schriftsteller Victor von Scheffel  – ein recht einladend ausschauender Landgasthof. Hier zweigt unser Weg wieder von der Straße ab. Mit schönen Gedichten von Theodor Fontane und anderen Dichtern werden wir zurück in Richtung Wutach geführt. Der Weg führt zunächst nach Aselfingen. Auch hier heißt es, auf der Hauptstr. durch den Ort. Hinter Aselfingen überqueren wir die Wutach, um nun mehr oder weniger parallel zum Fluss bis zur Wutachmühle zu wandern. Der Schluchtensteig ist jetzt bis auf weiteres identisch mit dem Freiburg-Bodensee-Querweg und dem europäischen Fernwanderweg E1. Die Strecke ist zunächst unspektakulär, ein asphaltierter Landwirtschaftsweg scheint nicht enden zu wollen. Irgendwann wird daraus ein Schotterweg mit Grasnarbe und plötzlich zeigt ein Wegweiser Richtung Wald. Doch zu früh gefreut, die Waldwege entpuppen sich teilweise als schlammig, rutschig und manchmal nur schwer begehbar. So sind wir erst zur Mittagszeit an der Wutachmühle und haben für die ersten 6 km recht viel Zeit gebraucht.

 

Schluchtensteig_2_Etappe_Theodor_Fontane

 

In der Nähe der Bushaltestelle befindet sich an der Straße eine Einkehrmöglichkeit, ein Kiosk mit einigen Bierbänken davor. Die beiden Schweizerinnen sitzen schon da und lassen es sich schmecken und auch Barbara und Jochen aus Hamburg treffen wenig später hier ein. Der Kiosk wird hauptsächlich von Motorradfahrern frequentiert und vermutlich von den Schluchtensteig- und Wutachschlucht-Wanderern. Wir bestellen uns jeder eine Apfelschorle und relaxen etwas. Bevor es weitergeht, möchten wir noch unsere Wasserflaschen auffüllen lassen und haben jetzt das erste Negativ-Erlebnis der Tour. Die Kioskbesitzerin wollte tatsächlich 50 Cent pro Flasche für das Auffüllen mit Leitungswasser und das, obwohl wir Geld dagelassen haben. Wir lehnen dankend ab und heben uns den Rest der Apfelschorle für unterwegs auf. Hier wird man uns so schnell nicht wiedersehen. Dieser Kiosk bekommt ein klares Nicht-Empfehlenswert.

Schluchtensteig_2_Etappe_Kiosk_WutachmühleSchluchtensteig_2_Etappe_Barbara_Jochen_HamburgJetzt beginnt die eigentliche Wanderung durch die Wutachschlucht. Es ist Sonntag und dementsprechend viel los. Wir bestaunen so manches Outfit, das uns entgegen kommt. Weiße Turnschuhe, schnieke Handtäschchen, edle Parfüms. Bei manchen Grüppchen denken wir, die haben sich direkt nach dem Gottesdienst schön angezogen auf einen kleinen Sonntagsspaziergang begeben. Streckenweise kann man die Natur vor lauter Cool Water nicht mehr riechen. Natürlich ernten wir mit unseren großen Rucksäcken die gleichen verständnislosen Blicke, manchmal aber auch einen Hauch von Bewunderung. Die Wutachschlucht ist eher noch rutschiger und glitschiger als die Wege vorher und Gott sei Dank gibt es außer uns doch noch viele Wanderer mit guten Schuhen, sonst hätte der Ranger einiges zu tun. Nicht umsonst ist die ganze Schlucht in Abschnitte eingeteilt, jeweils mit einem Buchstaben versehen, damit im Notfall eine Rettungsaktion schnell greifen kann. Sonntag ist sicher nicht der empfehlenswerte Tag für diesen Teil der Strecke, ließ sich aber für uns nicht anders machen und so nehmen wir es gelassen und warten geduldig an den Engpässen, bis der Gegenverkehr passiert hat. Biber lassen sich an einem solchen Tag natürlich auch nicht sehen, aber es soll sie geben und wenn man Glück hat, kann man sie auch bei ihrer Arbeit beobachten.

In der Schlucht rücken steile Wald- und Felsflanken eng aneinander. An manchen Stellen verläuft der Wanderweg nur noch auf schmalen Vorsprüngen zwischen senkrechter Felswand und reißendem Fluss. Man läuft mal direkt am Fluss, dann wieder hoch oben in den Felsen, mal durch lichten Laubwald, dann wieder durch dichten Urwald und immer begleitet von den Lichtspielen der Sonne, wenn sie durch das dichte Blätterdach dringt. Eine eindrucksvolle Landschaft.

Wir haben noch 13 km vor uns bis zur Schattenmühle, unserem Tagesziel. Wir passieren den alten und den neuen Rümmelesteg und laufen abwechselnd rechts und links der Wutach bis zur Schurhammerhütte. Wir haben Hunger, brauchen eine Pause und wollen hier Würstchen grillen. Das Glück ist mit uns, wir finden Platz an einem der gut frequentierten Picknickplätze. Das Feuer an der Grillstelle ließ sich leicht wieder in Gang bringen und während Dagmar den Tisch deckt, grille ich leckere Merguez-Würste von unserem Metzger. Während wir es uns schmecken lassen, brechen alle anderen auf – auch die Hamburger hatten hier eine Pause eingelegt – und plötzlich sind wir allein, himmlische Ruhe an einem sonnigen Nachmittag in der Wutachschlucht, das versöhnt.

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Es ist schon nach 16 Uhr und wir glauben, dass wir nun die letzten sind auf dem Weg zur Schattenmühle. Tatsächlich begegnen wir auch nur noch einem Paar, das uns überholt und zwei Wanderern, die uns entgegenkommen. Am Tannegger Wasserfall füllen wir unsere Wasserflaschen auf, das eiskalte Wasser schmeckt recht gut. Mit nassen Hosenbeinen geht es weiter. In der Nähe des ehemaligen Dietfurter Hofes führt eine Brücke über die Wutach direkt zu einem Grillplatz, ideal für eine kurze Pause und einen letzten Kaffee vor dem Endspurt zur Schattenmühle. Die Rucksäcke wiegen auf den letzten Kilometern der Tagesetappe gefühlt immer das Doppelte und auch der Weg entlang der Wutach verläuft auf schmalen Pfaden über unendlich viele dicke Baumwurzeln.

Auch haben wir noch keine Idee, wo wir unser Zelt aufschlagen können und das macht uns etwas unruhig. Kurz vor der Schattenmühle sehen wir bereits ein Zelt in einem Garten stehen, „kein schlechter Platz und direkt am Wasser“ denken wir uns, doch im Haus gegenüber macht uns niemand auf, sodass wir nicht fragen können. Also erstmal in die Schattenmühle, es ist 19 Uhr, wir sind die letzten, Schweizerinnen, Hamburger, alle schon da …und beim Abendessen. Erschöpft bestellen wir erstmal ein Weizenbier. Dagmar will keinen Meter mehr weiter und so erkundige ich ohne Rucksack die Gegend. Wenig später werde ich fündig. 100m entfernt gibt es einen Wanderparkplatz mit Bänken und Grillstelle….und an diesen schließt eine schöne Wiese an mit direktem Zugang zur Wutach. So können wir entspannt noch einen Salat essen, um mit Einbruch der Dunkelheit weit hinten und uneinsichtig von der Straße auf der schönen Wiese unser Zelt aufzuschlagen. Kaum ist es dunkel – gegen 21 Uhr – schlafen wir auch schon glücklich und zufrieden ein, denn um 6 Uhr klingelt das Handy zur 3. Etappe. Wir freuen uns schon auf ein Frühstück bei Sonnenaufgang.

 

Länge der Tour: 20 km

 

Der Schluchtensteig 1. Etappe

Der Schluchtensteig 1. Etappe

Samstag morgen, wir wollten um 9.00 Uhr am Start in Stühlingen am Bahnhof sein, doch die Businesstermine vom Vortag sorgten dafür, dass sich alles etwas verzögerte. Also noch schnell zum Bäcker und zur Bank und mit frischen Croissants im Gepäck ging´s los. Der Himmel war leicht bewölkt, die Folge der Unwetter der letzten beiden Tage, doch die Sonne setzte sich immer mehr durch und so fuhren wir ab Lenzkirch offen. Dagmar informiert mich unterwegs über unseren Startort Stühlingen, man sagt auch Hohenlupfenstadt Stühlingen, der Name kommt durch das Schloss Hohenlupfen oberhalb der Stadt. Im ortsansässigen Kapuzinerkloster könnte man auch eine Auszeit nehmen, wenn man die Stille sucht. Stühlingen grenzt unmittelbar an den Schweizer Kanton Schaffhausen, die Wutach fungiert als Grenzfluss. Wir beschließen, dass ein Abendessen in Stühlingens historischer Altstadt den Abschluss unserer sechstägigen Tour bilden sollte.

schluchtensteig stuehlingen bahnhof dagmar

10.47 Uhr laufen wir los. Am Anfang müssen wir uns einlaufen, an die schweren Rucksäcke gewöhnen, die Hüftmuskulatur meldet sofort ungewohnte große Belastung. Die erste Pause wird Dagmar gleich zum Umpacken nutzen, sie hat zuviel Gewicht im oberen Teil des Rucksacks. Wir halten durch, denn wir wissen, es dauert einen halben Tag, bis man sich „eingegroovt“ hat.

Schluchtensteig lucky way bergauf

Wir laufen direkt einen schmalen Pfad am Wutachufer entlang. Dieser Bereich soll renaturiert werden, d.h. bis 2021 soll durch verschiedenste Maßnahmen wieder eine dynamische Auenlandschaft entstehen. Auf einer Informationstafel lernen wir Begriffe wie Gewässerdynamik, Uferdynamik, Uferhabitat, Ufererosion und Mindestrestwasserregelung und sind beeindruckt vom Umfang dieses Projektes.

Schluchtensteig Pause vor Weizen BahnhofSchluchtensteig Blick auf Firma Sto

 

 

 

 

 

 

 

 

Dann nach 3,5 km die erste Pause. Wir sind bei Weizen Bhf. und blicken auf ein imposantes Gebäude der Sto AG. Die Sto AG ist führender Spezialist wenn es um die Wärmedämmung beim Altbau, Wärmedämmung der Fassade oder die Wärmedämmung im Haus geht, alle Gipser, die man so bei der Arbeit beobachtet, haben die gelben Eimer dieser Firma im Einsatz. Also gut zu wissen, wo die ihren Sitz haben.

Offensichtlich sind wir nicht die einzigen mit zeitlichen Anlaufschwierigkeiten, denn während wir uns mit einem Mitarbeiter des Schwarzwaldvereins unterhalten, laufen zwei Schweizerinnen an uns vorbei sowie zwei Männer jenseits der 50, die wir später auf den Etappen häufiger treffen werden.

Schluchtensteig Naturparkwart wutachfluehenDer Naturparkwart erzählt uns, er sei u.a. zuständig für die Beschilderung, denn einige Touristen würden das Schluchtensteigschild als schönes Souvenir betrachten. Wir erfahren von ihm, dass die Wutachflühen mit der spektakulärste Abschnitt des ganzen Schluchtensteigs sein soll. Was Flühen genau bedeutet, wollten wir von ihm wissen, doch das möchte er uns erst später verraten, denn er ist sich sicher, dass er uns im Laufe des Tages noch mal trifft.

 

 

Schluchtensteig Tannenforst

Auf schmalen Waldwegen geht es nun bergan, die ersten Höhenmeter. Die Sonne strahlt in den Wald und wir genießen die eindrucksvollen Lichtspiele zwischen den Bäumen.

Tatsächlich fällt uns jetzt auch auf, wenn mal ein Wegzeichen des Schluchtensteigs fehlt. Da wir aber gleichzeitig auf dem Ostweg bzw. dem Wutachtalweg laufen, finden wir immer den Weg.

 

Schluchtensteig lucky way mit DagmarSchluchtensteig Gasthaus Wutachschucht

 

 

 

 

 

 

Schluchtensteig Blumegger Bluetenschorle

 

Nach knapp 8 km erreichen wir dann das Gasthaus Wutachschlucht. Das Ambiente des Gasthauses ist nicht sehr einladend, schnöde grüne Plastikstühle, ein Partyzelt als Regenschutz und mittäglicher Kioskbetrieb. Doch es ist kurz vor 14 Uhr und wir freuen uns über eine Pause und einen kühlen Drink. Und wo man es nicht erwartet, gibt es noch eine positive Überraschung: Blumegger Blütenschorle aus Schafgarbe, Rotklee und Mädesüßblüten, alles Bio versteht sich. Ruth Biller aus Blumegg ist es gelungen, ein wohlschmeckendes leicht herbes Erfrischungsgetränk herzustellen, schmeckt super, sehr empfehlenswert. Uns gegenüber sitzt ein Paar beim Mittagessen, als Jochen und Barbara aus Hamburg werden sie sich uns später vorstellen. Auch sie werden wir fast bis zum Schluss immer wieder treffen. Sie laufen mit leichtem Gepäck, haben alles vorreserviert und fragen uns ernsthaft, ob wir denn nicht wüssten, dass es auf der Strecke Pensionen gäbe.

 

Schluchtensteig Baum waechst rundFotografieren Uli

 

 

 

 

Schluchtensteig Wutach

 

 

 

Auf den nächsten 1,5 km folgt der Schluchtensteig dem Eisenbahnlehrpfad, beginnend beim Bahnhof Lausheim-Blumegg. Wir passieren die Eisenbahnbrücke Ost, ein imposantes Bauwerk, 107,5 m lang und 28 m hoch. Wären wir jetzt 10min. später dran gewesen, hätten wir die Sauschwänzlebahn über die Brücke fahren sehen können. Die Sauschwänzlebahn – von einer echten Dampflok gezogen – verkehrt auf einer Strecke von 25 km zwischen Stühlingen und Blumberg und gilt als Touristenattraktion.

 

Wir haben sie auf dieser Etappe nie gesehen aber mehrmals gehört, schon das war eindrucksvoll.

 

Schluchtensteig EisenbahnbrueckeSchluchtensteig Eisenbahnbruecke LagerSchluchtensteig Eisenbahnbruecke von oben mit dagmar 

 

Nach kurzer Pause beginnt jetzt der Aufstieg in die Wutachflühen. Flühe bedeutet Felswand. Tatsächlich erinnern die Felsformationen und Steinsäulen an das Elbsandsteingebirge bei Dresden oder an das mittlere Donautal zwischen Kloster Beuron und Sigmaringen. Der Weg ist anstrengend, felsig und reich an Wurzeln. Dementsprechend konzentriert müssen wir gehen. Öfter fragen wir uns, was wohl anstrengender ist, bergauf oder bergab?

schluchtensteig dagmar beim anstieg in den wutachfluehenSchluchtensteig Baum auf FelsSchluchtensteig Wutachfluehen Dagmar

 

Gleichzeitig ist hier Bannwaldgebiet, d.h. Totalreservat, keine Eingriffe in die Natur. Baumwurzeln verschmelzen mit Felsen und halten sich gegenseitig. Auf der ganzen Strecke begegnen uns lediglich zwei Wanderer. Mehr oder weniger sind wir allein mit uns und der Natur. Von vereinzelten Schreien der Wanderfalken und dem Getöse der Wutach tief unter uns abgesehen, machen die einzigen Geräusche wir selbst. Ein toter Baumstamm über einem Bach bietet sich uns als Sitzgelegenheit und Ablagefläche für die Rucksäcke an. Wir machen Pause, kochen Kaffee und genießen die Stille. Inkl. Pause benötigen wir für die 4 km durch die Wutachflühen 2,5 Std.

schluchtensteig wutachfluehen kaffeepauseschluchtensteig wutachfluehen aussicht Uli

Der Naturparkwart hatte absolut recht, dieses wenig frequentierte Endstück der Wutachschlucht ist wirklich eines der beeindruckendsten Abschnitte des ganzen Schluchtensteigs. Das hatten wir auf dieser ersten Etappe überhaupt nicht erwartet. Wir steigen etwa auf der Mitte der Strecke aus, um weiter Richtung Buchberg und Blumberg zu wandern. Der Schluchtensteig verlässt hier den Ostweg. Es ist sicher eine tolle und empfehlenswerte Tagestour, von Achdorf aus die dann etwa doppelt so lange Strecke durch die Flühen bis zum Bahnhof Lausheim-Blumegg zu wandern und dann mit der Sauschwänzlebahn Richtung Blumberg zurückzufahren.

 

schluchtensteig maisfeld infotafelnEs ist 17 Uhr 15 und es sind noch 6 km bis Blumberg. Vor uns liegt noch der ambitionierte Aufstieg auf den Buchberg. Die Landschaft wechselt. Wir laufen jetzt über Wiesen und vorbei an Ackerflächen. Mais als Energiepflanze wird uns erklärt. 1 ha Mais liefert Treibstoff für 90.000 km Autofahrt. Wir unterhalten uns über die derzeit anhaltende Diskussion, ob Mais überhaupt zur Energiegewinnung genutzt werden soll, solange es auf der Welt Hunger und Unterernährung gibt. Ganz interessant waren dazu die Ausführungen der Präsidentin der Welthungerhilfe Bärbel Dieckmann vor kurzem auf SWR 1. Danach werden weltweit nur 6% der Maisproduktion zur Energiegewinnung verwendet. Länder wie Brasilien entscheiden jährlich flexibel über die jeweilige Quote und schaffen dabei einen guten Kompromiss zwischen notwendigen Arbeitsplätzen einerseits und einer ausreichenden Produktion an Mais als Nahrungsmittel andererseits.

 

Wir erreichen den Fuß des Buchbergs. Der steile faste senkrechte Anstieg stoppt jede Diskussion. Wir brauchen die Luft zum Atmen. 200 Höhenmeter sind zu überwinden. Ich laufe voraus, stelle meinen Rucksack ab und komme Dagmar entgegen, um ihr den Rucksack abzunehmen. Der letzte km bis zur Buchberghütte kommt uns endlos vor. Doch dann die erseschluchtensteig buchberg dagmarhnte Pause. Wir vespern bei einem tollen Ausblick ins Tal. Dabei diskutieren wir, ob wir hier unser Nachtlager aufschlagen sollten. Der Platz ist ideal, eine Schutzhütte, dahinter ein Stück Wiese, eine Picknickbank, nur kein Wasser und unsere Wasserflaschen sind fast leer. So beschließen wir, doch noch nach Blumberg abzusteigen. Zwei Frauen begrüßen uns am Ortseingang und wir plaudern kurz über unser Wandervorhaben. Wir fragen nach einer Möglichkeit unser Wasser aufzufüllen und erfahren, dass der Friedhof, vor dem wir stehen mit Quellwasser gespeist wird.

Und plötzlich wird unsere Planung schlagartig über den Haufen geworfen. Noch während wir unsere Wasserflaschen füllen, zieht ein Gewitter auf und es beginnt zu regnen. Also Jacken an, Regenschutz über die Rucksäcke und noch 500 m bis zum Hirschen, den uns die nette Frau empfiehlt.

„Sie kommen als Gäste und bekommen das Beste“, so wirbt Jochen Salomon, der uns freundlich empfängt, aber leider kein Zimmer mehr frei hat. Aber kein Problem, ein kurzes Telefonat und 10 min später holt uns die Wirtin des Gästehaus Ursula mit ihrem Mercedes ab. So landen wir in der ersten Nacht nicht im Zelt sondern in der Pension in einem von 4 Doppelzimmern. Aber bei Gewitter wollten wir das Risiko nicht eingehen, im Nachhinein ein gute Entscheidung, denn es regnete die ganze Nacht. Also eine heiße Dusche, Klamotten zum Trocknen aufhängen und ein Bier als Schlaftrunk auf dem überdachten Balkon… und siehe da, wer lacht im Zimmer nebenan, die beiden Schweizerinnen, die uns morgens überholt hatten.