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Länge der Tour: 18 Kilometer
Schattenmühle – Dietfurt – Schurhammerhütte – Wutachmühle – Achdorf

Heute liegen gut 18 Kilometer vor uns und das will geschafft sein. Wir haben wunderbar und ruhig geschlafen und nach einem ausgiebigen Frühstück geht’s weiter.

Herr Frei, der Wirt der Schattenmühle, füllt uns noch freundlicherweise die Wasserflaschen auf. Beim kurzen Plausch… fragen wir, ob es Sinn macht, den Campingplatz in Ewattingen, der als unser heutiges Etappenziel geplant ist, anzusteuern. Er empfiehlt es uns nicht, da der Querweg/Schluchtensteig vier Kilometer unterhalb Ewattingens verläuft und wir am Abend eine gehörige Steigung bewältigen müssten. Klingt nicht gerade spannend.

Er empfiehlt uns, stattdessen nach Achdorf  zu laufen und dort einen Schlafplatz zu finden. Der Mann ist Optimist, ich weniger, da wir Achdorf von unserer Schluchtensteigwanderung kennen und weit und breit kein Campingplatz zu sehen war. Na gut, wir werden sehen, wo wir heute Abend schlafen. Ich lass mich überraschen.

Wir passieren den Eingang der Wutaschschlucht, etwa 50 Meter hinter der Schattenmühle.  Der Weg ist bereits so früh am Morgen stark frequentiert; dutzende Tagesausflügler, Familien mit kleinen oder auch größeren Kindern gehen in die gleiche Richtung wie wir.

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In der Wutachschlucht

Wir laufen gemächlich vor uns hin, ab und an überholen uns leicht bepackte Touristen, mit Hunden an der Leine. Und manchmal frage ich mich, wer hier wen zieht.

Wir wollen die erste größere Rast an der Schurhammerhütte machen, dort gibt es mehrere Bänke und Tische, in der Sonne gelegen, und wie geschaffen für eine ausgiebige Rast.

Der Weg ist ausgesetzt, wir müssen ganz schön aufpassen, zudem uns unsere Rucksäcke in der Beweglichkeit einschränken.

Die untere Dietfurt, die wir nach einer guten Stunde erreichen, lädt zu einer kurzen Verschnaufpause ein. Die Furt liegt auf einem uralten Fernweg aus der Römerzeit und konnte von jedermann zollfrei benutzt werden. Anders als bei sonstigen Übergängen mussten die Menschen hier damals keinen Wegezoll entrichten und so war dieser Übergang im Mittelalter ein wichtiger Verkehrsweg für die Menschen vom Hochrhein zum Neckarraum.

Als die neue Brücke bei der Schattenmühle 1875 erbaut wurde, verlor diese Furt ihre Bedeutung, zumal sie wegen ihres starken Gefälles von bis zu 24%, von immer weniger Last- und Zugtieren befahren werden konnte.

Vorbei an Bad Boll mit seiner kleinen Kapelle geht’s nun Richtung Schurhammerhütte.

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Apfelblüte am Wegrand

Es ist inzwischen sehr sonnig geworden, die Blüten an den Bäumen sind von Bienen umschwirrt, es riecht nach Frühling. Ich begeistere mich an der Blütenfülle um uns herum, die Uli, als Allergiker, jedoch tunlichst meidet.

An der Schurhammerhütte ist es erwartungsgemäß richtig voll. Wanderer entledigen sich der dicken Kleidung und sitzen auf den großzügigen Bänken und sonstigen Sitzgelegenheiten und Eltern spielen mit ihren Kindern am flachen Ufer der Wutach.

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Picknick an der Schurhammerhütte

Eine Pfadfindergruppe gesellt sich hinzu und ruck zuck ist der Platz voller Menschen. Uns gelingt es einen freien Tisch zu ergattern und wir breiten unser Proviantpaket von der Schattenmühle aus. Da kommt allerhand Leckeres aus dem Rucksack hervor und wir machen uns einen warmen Tee dazu.

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Uli beim Kampf mit seinem Rucksack

Nach einer guten Stunde geht’s weiter. Wir haben noch 11 Kilometer vor uns und es ist bereits weit nach Mittag. Aber wir kommen langsam voran, da der Weg teilweise sehr ausgesetzt ist, sich über steile Felsvorsprünge schlängelt und Bäume malerisch mitten drauf stehen. Und die großen Rucksäcke hindern an einem schnelleren Fortkommen.

Gegen 17 Uhr sind wir an der Wutachmühle und machen wieder eine Rast. Kuchen und Kaffee kommen jetzt gerade richtig und wir sitzen entspannt und zufrieden in der Abendsonne. Ein älterer Herr kommt mit uns ins Gespräch und fragt interessiert, wie weit wir denn noch wollten. Als er hört, dass wir heute den achten Tag unterwegs zum Bodensee sind, ist er vollkommen baff und wünscht uns einen guten Weiterweg.

Noch ein paar Dauerwürste und ein paar Scheiben Brot am Kiosk gekauft, denn morgen ist Feiertag und wir haben keinen Proviant mehr im Rucksack.

Wir folgen dem Rat des Schattenmühlenwirts und wandern Richtung Achdorf. Wir hatten schon unterwegs mit der Scheffellinde dort telefoniert und erfahren, dass es kein freies Zimmer mehr bei Ihnen gibt.

Nun gut, dann finden wir eben einen Schlafplatz auf gut Glück.

Es herrscht ein friedliche und stille Abendstimmung. Es ist warm, Bienen summen und es geht fünf Kilometer langsam bergan, an grünen Wiesen und keimenden Getreidefeldern entlang.

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Zeltplatz in guter Gesellschaft

In Achdorf kommen wir an einem Lagerplatz von einer Romafamilie vorbei, die dort ihre Wohnwägen aufgestellt hat und bereits fleißig am Grillen ist. Uns läuft das Wasser im Mund zusammen, wir haben Hunger.

Nachdem wir uns ein paar Liter Wasser von den freundlichen Leuten erbeten haben, schlagen wir unser Zelt kurzerhand neben ihren auf und machen uns fertig, um in der Scheffellinde zu Abend zu essen, die gerade mal 200 Meter entfernt ist.

Die Scheffellinde ist gut besucht, die freundliche Bedienung weist uns einen schönen Tisch zu und wir setzen uns aufseufzend hin. Die 18 Kilometer mit 20 Kilogramm auf dem Rücken fordern ihren Tribut.

Uli bestellt sich ein Wildschweingulasch, ich mir einen Kalbshackbraten mit selbstgemachten Spätzle. Davor die obligatorische Kraftbrühe und ein kräftiger Roter aus dem Kaiserstuhl begleitet das herzhafte und delikate Essen.

Die Wirtin, Frau Wiggert ist begeistert von unserer Tour und fragt, wo wir diese Nacht schlafen. Als wir ihr erklären, dass wir gerne ein Zimmer hier genommen hätten, aber leider keines mehr frei sei, bietet sie uns an, unser Zelt in ihrem Vorgarten aufzuschlagen.

Wir belassen es aber bei unserer Nachbarschaft, planen aber das Frühstück für 8 Uhr im Restaurant. Sie freue sich auf uns, sagt Frau Wiggert und ich mache mich in den Toilettenräumen frisch für die Nacht.

Als wir gegen 22 Uhr ins Zelt zurückkommen, kommen zwei der Romas auf uns zu und bringen uns herrlich duftendes Grillfleisch. Uli und ich schauen uns ratlos an – wohin nur damit?

Gesamtlänge der Strecke: 18 Kilometer

Dauer: 10 Stunden mit ca. 2 Stunden Pause

Wegweiser: Schluchtensteigzeichen (blaue Raute mit S)

Einkehrmöglichkeiten: Schattenmühle, Kiosk an der Wutachmühle, Scheffellinde in Achdorf

Highlights: der Weg durch die Wutachschlucht, Abendessen in der Scheffellinde