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Länge der Tour: 15 km
Panoramaweg St. Peter – St. Märgen – Auf dem Eck (946m) – Vogesenkapelle (1014 m) – Kapfenkapelle (1018m) – St. Märgen (892 m) – Neuhäusle (934m) – Am Hohlen Graben, Gasthaus Zum Kreuz,  Nähe Thurner (1033 m)

Während der Nacht, läuten die sonoren Glocken von St. Peter stündlich, und um 6 Uhr werde ich davon endgültig geweckt. Pünktlich um halb sieben setzt auch lautes Vogelkonzert ein. Im Zelt ist es kuschelig, doch für draußen zeigt mir meine Wetter-App ca. 2 Grad Plus. Gott sei Dank… gibt’s warme und saubere Duschen. Um kurz nach sieben sitzen wir dann auch schon beim Frühstück, der überdachte Essplatz bietet ein wenig Schutz vor der morgendlichen Kühle. Um halb neun haben wir alles gepackt und verabschieden uns von den  Zeltnachbarn. Die, so hat Uli inzwischen erfahren, sind langjährige Camper und zelten ausschließlich. Sie schwören auf holländische Baumwollzelte und deren guter Luftzirkulation und haben gleich drei davon in verschiedenen Größen. Der Tag verspricht wieder schön zu werden und wir laufen leicht bergan den Panoramaweg von St. Peter nach St. Märgen. Wir passieren den Aussichtspunkt Auf dem Eck und wenig später den Vorderwillmerhof.

Sonnenlage nördlich des Felbergs

Vorderwillmenhof mit Feldberg

Es ist zwar sonnig, doch es bläst ein kalter Wind, so dass wir froh über die windfesten Dreilagenjacken sind. Stellenweise müssen wir die Kapuzen überziehen, so unangenehm ist es. Um kurz nach halb 11 erreichen wir die Vogesenkapelle, die einsam in einem kleinen Waldstück mit schöner Aussicht nach St. Peter auf 1045 Höhe liegt. Zu dieser Kapelle gibt es eine Geschichte, die  in dem kleinen Andachtsraum nachzulesen ist.

Vogesenkapelle auf 1047 Meter Höhe

Vogesenkapelle auf 1047 Meter Höhe

Im 1. Weltkrieg lag ein junger Soldat aus dem Schwarzwald in einem Schützengraben an der Maginotlinie und bangte um sein Leben. Es war Nacht und weit im Osten, auf der gegenüberliegenden Rheinseite konnte er schwach die Lichter einzelner Schwarzwaldhöfe erkennen. Er vermutete darunter auch seinen Elternhof und dachte traurig, wir ruhig und friedlich diese Seite des Rheins doch aussah, im Gegensatz zu der elsässischen Seite. Und er gab sich ein Versprechen. Sollte er gesund aus diesem Krieg zurückkehren und seinen elterlichen Hof heil und unbeschadet vorfinden, so würde er eine Kapelle auf der höchsten Erhebung seines Besitzes bauen. Und diese Kappelle sollte den Namen Vogesenkapelle erhalten, in Erinnerung an diese kalte Kriegsnacht. Und so geschah es und die kleine Kapelle legt auch heute ein ergreifendes Zeugnis dieser Zeit ab. Wir pausieren auf zwei Bänken und machen uns eine heißen Tee, dazu gibt es Trockenfeigen. Nach einer knappen halben Stunde geht es weiter, immer am Waldrand entlang, mit bestem Feldbergblick. Einen Kilometer weiter treffen wir auf eine Kapelle, die ebenfalls eine Geschichte zu erzählen hat. Die Kapfenkapelle auf dem Besitz des gleichnamigen Hofs wurde von dem Altbauer errichtet, der, so die Sage, einen Schlaganfall erlitten hatte und nicht mehr gehen konnte. Er betete jeden Tag mehrmals zu Gott und bat diesen, ihn zu heilen. Er wünschte sich noch einmal auf den Hügel gehen zu können und den Feldberg zu sehen. Und der Wunsch wurde ihm erfüllt. Er wurde gesund und konnte wieder laufen. Zum Dank ließ er an seinem Lieblingsplatz mit dem klaren Blick zum Feldberg diese kleine Kapelle erbauen.

Es wird immer zugiger und nun beeilen wir uns nach St. Märgen zu kommen. Erstens haben wir Hunger und zweitens will ich vor der Mittagspause bei dem mir vom Campingplatzbesitzer in St. Peter empfohlenen Sportgeschäft nach neuen Trekkingstöcken schauen. Wir nehmen den direkten Weg nach St. Märgen und passieren die Ibenbachquelle, die mit bestem, sprudelndem Quellwasser lockt. Bei dem ersten Hof fragen wir nach dem Sportladen. Die Auskunft ist etwas vage und so gehen wir zuerst noch zum Restaurant Hirschen, um dort eine verdiente Mittagspause zu halten. Das Restaurant ist heimelig und schön eingedeckt, wir werden aufmerksam bedient, die frischen Spargeln und Krazede sind auf dem Punkt. Super lecker. Die Kellnerin kennt auch das Sportgeschäft, es lieg nur 100 mtr. entfernt.

Während Uli bestellt, laufe ich schnell hin und mache mir, ehrlich gesagt, keine großen Hoffnungen, einen adäquaten Stockersatz dort zu bekommen. Doch wie groß ist meine Überraschung, als ich im Laden stehe. Stöcke über Stöcke, dazu noch Langlauf- und Abfahrtski – ein Eldorado für Skifahrer und Wanderer. Ernst Mark, von Mark Ski und Rodel, eigentlich Schreiner, und heute hauptberuflich Sportartikelanbieter, bietet Stöcke in allen Varianten an. Er hält meinen gerissenen Lekistock ziemlich konsterniert in den Händen, ein Kollege, der bei ihm steht, ist sprachlos. Später erfahre ich, dass es sich bei diesem um den Vertriebsmitarbeiter der Firma Leki handelt, der zufällig anwesend war und für den Südschwarzwald zuständig ist. Ich liebäugle mit einem Leki Carbon 4 Stock und will nur noch schnell klären, ob der Händler in Freiburg mir meinen gerissenen Stock zurücknimmt und ersetzt. Also zurück zum Hirschen, mit Freiburg telefonieren (geht nur über Festnetz, da St. Märgen von der Telekom noch immer sträflich vernachlässigt wird und dann noch Bargeld vom Automaten abholen. Der freundliche Mitarbeiter von Sport Kiefer zeigte sich außerordentlich kulant und war sehr bestürzt, dass der erst vor kurzem erstandene Trekkingstock den Anforderungen nicht gewachsen war. Zurück zu Herrn Mark, der wirklich sehr kompetent und dazu außerordentlich geschäftstüchtig ist. Er informiert Uli ausführlich über sein Ski-Sortiment und dieser denkt schon an den kommenden Winter und dass er ein paar neue Ski gut gebrauchen könnte. Ich entscheide mich jetzt für den Leki Carbon 4 in teuflischem Schwarz, der super leicht ist und perfekt in der Hand liegt. Trotz seinem geringen Gewicht macht er einen stabilen Eindruck, dieser wird sich in den kommenden 10 Tagen noch verfestigen. Es geht sich gleich besser mit zwei gleichen Stöcken. Mein liebevoll geschnitzter Wanderstock bleibt indessen im Hirschen zurück.

Nun geht es leicht ansteigend durch den Pfisterwald, einen lichten Laubwald, der viel Sonne durchlässt und auf Thementafeln Hintergründe zum Wald und Umgebung liefert. Nach 20 Minuten erreichen wir eine Hochebene auf 960 m, auf der der Wind nur so bläst. Rasch marschieren wir weiter und treffen bald darauf im Gasthof Sonne, Neuhäusle der Familie Schlegel ein.

Mitglied bei den Naturparkwirten Schwarzwald

Gastsube im Gasthof Sonne Neuhäusle

Dieses Gasthaus gehört zur Vereinigung der Naturparkwirte Schwarzwald. Diese haben es sich zur Aufgabe gemacht, höchste Qualität und Genuss mit der Erhaltung und Pflege der Schwarzwaldlandschaft zu verbinden. Und das schmeckt man. Wir können nämlich nicht widerstehen, außerdem blies der Wind gerade noch so kalt, und bestellen uns jeder ein Stück selbstgebackenen Beerenkuchen plus Milchkaffee. Es ist drei Uhr, die Sonne scheint in die romantische Gaststube, die Wirtin und ihre Mitarbeiterin tragen Tracht, und um das Klischee über zu strapazieren, ruft pünktlich um drei der Kuckuck dreimal aus der Uhr. Mir gefällt’s sehr. Wir werden bestimmt wieder hierher kommen, um das Restaurant und die Küche noch ausgiebiger zu testen. Nun sind’s noch gut zwei Kilometer bis zu unseren heutigen Unterkunft, dem Gasthof zum Kreuz, auf 1033 Meter, am Fuß des Thurners. Also eine geruhsame halbe Stunde und kurz vor 17 Uhr sind wir da.

Direkt am Westweg, Gasthof Kreuz

Unser Etappenziel für heute – Gasthof Kreuz unterhalb vom Thurner

Das Gasthaus liegt exponiert direkt am Westweg, und macht einen sympatischen Eindruck. Und der bestätigt sich im Inneren, es ist ein liebevoll eingerichtetes kleines Hotel. Wir beziehen unser wirklich schönes Zimmer im zweiten Stock mit Ostblick. Hell, geräumig und ansprechend möbliert. Wir duschen, waschen ein paar Kleidungstücke und freuen uns schon auf das Abendessen, denn die Speisekarte verspricht einen lukullischen Abend. Gegen 19 Uhr, südbadische Abendessenszeit, gehen wir hinunter und finden gerade noch einen Tisch im vollbesetzten Restaurant. Ich bestelle meine inzwischen obligatorische Badische Kraftbrühe mit Markklößchen, Uli eine Wildessenz mit Ravioli. Danach für beide Forelle mit Mandelbutter. Dazu trinken wir einen Weisburgunder vom Weingut Bercher. Und als Dessert gibt’s für uns Schokoladentörtchen mit Mangosorbet. So wie es klingt, schmeckt’s auch. Sehr gut und ansprechend angerichtet. Leider ist der Service total überlastet, die beiden Inhaberinnen sind anscheinend alleine und laufen hektisch von Tisch zu Tisch. Unter dem Stress leidet die Aufmerksamkeit für die Gäste und so wird etwas wortkarg und lieblos serviert. Ein kleiner Wermutstropfen, der als Erinnerung bleibt. Aber wir sind dennoch sehr zufrieden und gegen 22 Uhr gehen wir entsprechend müde zu Bett.

Gesamtlänge der Strecke: 15 Kilometer

Höhenmeter: ca. 260 m Aufstieg

Wegzeichen:
 Panoramaweg St. Peter St. Märgen gelbe Raute, später blaue Raute

Dauer mit Pausen: 8 Std.

Einkehrmöglichkeiten:
Hotel Hirschen St. Märgen 7,5 km (u.a. ; Mo kein Ruhetag), Steinbach Hirschen 8,7 km (Mo Ruhetag), Gasthaus Sonne Neuhäusle 11 km,  Gasthaus zum Kreuz nach 15 km

Highlights:

Panoramablick St. Peter, St. Märgen, Feldberg
Vogesenkapelle – schöner Picknickplatz
Ibenbachquelle – frisches Quellwasser zum Nachtanken
Hirschen, St. Märgen, leckerer Mittagstisch, zuvorkommende Bedienung
Mark Ski und Rodel – gute Auswahl an Ski-, Wander-, Trekkingstöcken, Ski und Wintersportequipment, kompetente Beratung
Gasthaus Sonne, Neuhäusle – selbstgemachter Kuchen vom Feinsten, Mitglied bei den Naturparkwirten
Gasthaus zum Kreuz, Am Hohlen Graben – gute Küche, schöne Zimmer