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Von Oberfischbach nach St. Blasien – 22 Kilometer entlang des Schluchsees, über Muchenland und auf dem historischen Glasträgerweg.

Wir schlafen tief und fest und im Morgengrauen werde ich von dem leichten Rauschen der hohen Tannen rund um uns geweckt. Was für ein einzigartiges Gefühl, so ganz alleine in der Natur. Beruhigend und friedlich. Die Sonne geht langsam auf und ich beobachte die Szenerie, eingekuschelt in meinen Schlafsack. Dann bekomme ich Hunger und der Tag fängt an.

Unser Lagerplatz frühmorgens bei Sonnenaufgang

Unser Lagerplatz frühmorgens bei Sonnenaufgang

Uli erwacht langsam auch aus seinem Tiefschlaf und nach einer Morgentoilette am Brunnen können wir unsere über Nacht getrockneten, sauberen Kleider anziehen.

Wir benötigen für Frühstück, Zeltabbau und Rucksäcke packen alles in allem 90 Minuten und dann geht’s hinunter zum Schluchsee. Zuerst allerdings geht es noch ein Stückchen bergauf, zum Bildstein. Von dort hat man einen herrlichen Ausblick auf den See, den wir ein paar Minuten genießen. Denn es bläst ein frischer Wind.

Der Bildstein oberhalb des Schluchsees

Der Bildstein oberhalb des Schluchsees

Nun geht die Strecke moderat bergab, nach einer halben Stunde sind wir am Hotel Auerhahn und Uli muss unbedingt einen echten Milchkaffee trinken. Der Cowboy-Kaffee, den wir uns morgens zubereiten, kann da nicht mithalten.

Den See umrunden wir dann auf dem Seerundweg in nordwestlicher Richtung, der fast schon als Autobahn zu beschreiben ist. Dutzende Wanderer und Biker kommen uns entgegen und wir wollen nur noch schnell an ihnen vorbei. Es wird teilweise richtig eng. Dann beim Unterkrummenhof wird’s noch voller, ist dieses Gasthaus doch ein beliebter Zielpunkt für Wanderungen am und um den Schluchsee. Wir trinken ein erfrischendes Spezi und legen uns dann an den See. Die Sonne steht nun schon ziemlich hoch, Badende genießen das kühle Wasser und wir die relative Ruhe.

Rast am Unterkrummenhof

Rast am Unterkrummenhof

Nach einem kleinen Imbiss brechen wir auf, Richtung St. Blasien. Ich hatte mich auf diese Strecke schon sehr gefreut, denn sie verläuft über das Muchenland, einer schönen Hochebene mit Alpenblick, um dann als Krönung den Blick auf die Kuppel vom Dom in St. Blasien zu bieten. Doch zunächst geht die Autobahn langweilig durch den Wald, immer auf breiten, geschotterten Wegen und bald rebellieren meine Muskeln. Das gleichförmige Gehen schlägt auf die Waden und macht mich müde. Die Entschädigung kommt am Muchenländerbrunnen. Hier machen wir eine längere Pause und ich wasche meine Haare an der Quelle. Das Wasser ist eiskalt und sofort sticht meine ganze Kopfhaut. Aber ich bin herrlich erfrischt und meine Haare fühlen sich wieder sauber an. Übrigens – wenn wir uns unterwegs in Bächen oder an Quellen waschen, benutzen wir ausschließlich spezielle Waschmittel, ohne Emulgatoren und biologisch abbaubar.

Schluchtensteig_4_Hochebene im Muchenwald

Ruhe im Muchenland

Schluchtensteig_4_Im Muchenland

Auf dem Glasträgerweg

So erfrischt geht es weiter und die Strecke wird nun abwechslungsreicher. Der Blasiwald-Muchenland-Weg führt an Schautafeln vorbei, die eindrücklich die Situation der Einwohner in den vergangenen Jahrhunderten zeigen. Bereits seit Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Glashütten errichtet, in denen Glas hergestellt wurde. Die Hauptabnehmer waren Klöster, Kirchen und Adelssitze, sie benötigten Glas für den Fensterbau und für die Bewirtung der Adeligen. Die Glasbläsereien boten der ganzen Gegend einen bescheidenen Wohlstand durch den Handel mit Glasprodukten. Mitte des 19. Jahrhunderts war es mit der Glasmacherei vorbei, die Hütten lagen still. Von dieser Zeit zeugt der traditionsreiche Glasträgerweg, auf dem wir nun ein Stück Richtung St. Blasien marschieren. Auf diesem Weg trugen die Glasbläser in ihren großen Körben ihre Ware auf dem Rücken von Ort zu Ort, um damit Handel zu treiben.

Nun wird der Weg richtig abenteuerlich, durch den Bannwald der Wildbergschlucht geht es die letzten Kilometer nach St. Blasien.

Im Bannwald von St. Blasien

Im Bannwald von St. Blasien

Schluchtensteig_4_Dom St. Blasien

Dom zu St. Blasien

Mittlerweile ist es bereits kurz nach 19 Uhr und ein Gewitter zieht heran. Meine Füße fühlen sich an, als ob ich doppelt so lange gelaufen wäre und dabei waren es bis hier „nur“ 22 Kilometer. Als die Kuppel des Doms in unser Blickfeld rückt, geht’s etwas leichtfüßiger in die Innenstadt. Wir gönnen uns eine Pause und Uli kann mein leidendes Gesicht nicht mehr mit ansehen. Er überrascht mich mit einem Zimmer im Hotel Klostermeisterhaus. Dieses Gebäude im Klosterensemble wurde stilvoll renoviert und restauriert, die Einrichtung zeigt Geschmack. Die jungen Eigentümer, Familie Lausterer, haben ein Händchen für liebevolle Details.

Wir duschen und machen erfrischt einen Abendspaziergang durch die idyllische Kleinstadt, schauen kurz beim Dom vorbei und genießen ein leckeres Abendessen, bevor der Regen uns zurück ins Hotel treibt.