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Von der Schattenmühle nach Oberfischbach am Schluchsee. 18 km durch kühle Schluchten, dunkle Wälder und mit manchen Überraschungen.

Dagmar im ZeltObwohl wir so dicht am Fluss stehen, wachen wir am Morgen trocken und behaglich in unserem Zelt auf. Wir sind wieder mal froh, dass wir ein Doppelwandzelt haben und das Salewa Sierra Leone II hat sich längst bezahlt gemacht.

Das kalte Wasser lässt nur eine Katzenwäsche zu und dann freuen wir uns auf das Frühstück. Es ist noch früh, erst halb acht und dementsprechend kühl ist der Morgen. Aber eine Tasse heißer Kaffee und zwei Scheiben Brot mit selbstgemachter Himbeermarmelade bringen uns schnell auf Touren. Himbeerbrot

Sicher fragt sich der eine oder anderes, ob es sinnvoll ist, soviel Proviant mitzuschleppen. Das muss jeder für sich selbst beantworten, für uns jedoch gehört ein bisschen Luxus auch zum Trekking dazu und so tragen wir das eine oder andere Gramm zuviel mit Gleichmut.

Dann heißt es wieder „aufsatteln“ und meine 17 kg fühlen sich mittlerweile schon ganz entspannt an. Direkt vor uns zieht sich der Schluchtensteig in steilen Treppen den Waldhang empor.

 

Treppe we am Räuberschlössle

 

Bis er dann in eine angenehm ebene RichtunGruppenbildg über taufeuchte Wiesen hoch zur Baar aufnimmt. Dem schönen Weg folgen wir bei strahlendem Sonnenschein und Vogelgezwitscher entlang dichter Brombeerhecken, bis wir nach etwa zwei Kilometer zum Räuberschlössle kommen. Dieser 80 Meter hohe Felsen bietet einen spektakulären Blick auf einen der tiefsten und wildesten Schluchtenabschnitte und diesen Eindruck wollen sich einige andere Frühwanderer nicht entgehen lassen. Auch das Paar aus Hamburg ist schon da und wir machen lachend gemeinsame Fotos.

Das Räuberschlössle war eine kleine FelsenburgAusblick vom Räuberschlössle, die im 14. Jahrhundert von den Herren von Blumegg als Neu Blumegg auf einem steilabfallenden Felsen errichtet wurde. Strategisch war sie nie von großer Bedeutung, aber nach ihrer Zerstörung im Bauernkrieg um 1525 diente die Burg als Unterschlupf für so manch zwielichtiges Gesindel, dem sie auch ihren Namen verdankt. Bis auf wenige Mauerreste blieb von der Burg nur noch der wunderbare Aus- und Tiefblick in das Wutachtal.

Nun geht es weiter Richtung Westen und schon bald kommt das ehemalige Wasserkraftwerk Stallegg in das Blickfeld. Das Gebäude ist, nachdem es 1979 aufgegeben wurde, wieder hübsch hergerichtet und liegt idyllisch am Flussufer. Von hier wurde fast 100 Jahre lang der Strom für die Bierbrauerei derer zu Fürstenberg und das gleichnamige Schloss geliefert.

Bannwald2Weiter geht’s durch den Forstbetrieb von Fürst zu Fürstenberg zu einer lauschigen Lichtung, an der der Rötenbach in die Wutach mündet. Wir haben Teedurst und machen uns mit dem frischen Quellwasser einen heißen Tee und genießen die Ruhe auf den bereitgestellten Bänken. Leider nicht lange, da eine Gruppe Wanderinnen mit viel Hallo und Gelächter aus dem Wald kommt. Na gut, also einpacken und weiter, schließlich liegen noch 13 Kilometer vor uns.

Jetzt wird es wieder steil und wir gehen über schattige Pfade immer der Wutach entlang. Oftmals ist der verwurzelte Pfad nur knapp einen halben Meter breit und wir müssen sorgsam auf unsere Schritte achten, da links von uns der Hang steil abfällt. So gehen wir schweigend, genießen die Ruhe und das filigrane Sonnenspiel in den Blättern.

 

Immer wieder bleibt Uli stehen und fotografiert, hinterDann eben drüberher werden wir sehen, dass sich die Bilder alle gleichen: grünes Blattwerk, felsige Schlucht, tief unter uns die rauschende Wutach, über uns die Wipfel der hohen Bäume. Aber wie schon Konfuzius sagte: der Weg ist das Ziel und wir genießen ihn.

Was uns besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass der Wald ziemlich unberührt ist. Entwurzelte Bäume bleiben einfach sich selbst überlassen; liegen sie dummerweise quer über dem Weg, müssen wir halt selbst sehen, wie wir da weiter kommen. So hilft oft nur klettern.

Mittlerweile ist es bereits Mittag, die Sonne seht hoch und da wir an dem Zusammenfluss von Wutach und Haslach angekommen und alleine sind, nutzen wir die Gunst der Stunde für ein erfrischendes Bad. Herrlich, das weiche Wasser auf der Haut zu spüren und sich zu erfrischen.

EngpassMit rutschfesten Schuhen gehe ich weit in die Wutach hinein und finde eine Gumpe. Eine perfekte „Badewanne“; besser kann es nicht sein. Erfrischt und sauber geht’s dann weiter und wir sind froh, dass wir neue Kräfte getankt haben. Denn es geht von nun an steil bergan, durch die Haslachklamm über den Rechenfelsen bis zum Hölllochfelsen.

Dieses Stück geht wirklich in die Beine und mein Rücken protestiert über die 17 Kilogramm zusätzlichem Gewicht. Vorbei an steilen Abhängen, über Holzstege und Wurzeln.

Aber dafür lohnt sich der Aufstieg! Eine Aussichtskanzel bietet einen Blick über die bereits zurückgelegte Strecke und über das dichte grüne Laubdach der Bäume. Hier wollen wir etwas verweilen. Es gibt Orte, die ziehen einen in den Bann, sind magisch. Und dieser Felsen hoch über der Haslach ist einer davon.

nach LenzkirchDoch nun ist die meiste Anstrengung geschafft. Weiter geht’s über einen breiten sonnenbeschienenen Weg direkt nach Lenzkirch.  Hier finden wir in der Ortsmitte ein Café und sinken wohlig in die Stühle. Ich ziehe meine schweren Wanderstiefel aus und gönne meinen Fußzehen etwas rhythmische Gymnastik. Wir beobachten ein Filmteam, das gerade einen Film dreht und nach einer halben Stunde fühlen wir uns ausgeruht genug, um das letzte Stück nach Fischbach zu gehen. Lenzkirch_Rathaus

Doch erst geht es wieder einmal hoch, vorbei an einer Schautafel, die in anschaulicher Weise die Entstehung der Gesteinsformationen dieses Gebietes erklärt. Riesige Fels- und Gesteinsbrocken liegen am Wegrand und zeugen von der erdgeschichtlichen Vergangenheit dieser Gegend. Interessiert lesen wir die Hintergründe eines jeden Steins beziehungsweise der geologischer Formation. Gesteinskarte

Mittlerweile steht die Sonne schon tief und lange Schatten künden den Abend an. Zeit, einen Zeltplatz zu finden. Doch es geht immer weiter hinauf, vorbei an einer Kapelle und zwei großen Höfen.Kapelle bei Lenkirch_Schwende

Wir entdecken ein Hinweisschild – Käse und Joghurt zu verkaufen. Und tatsächlich, als wir fast oben am Waldrand angekommen sind, stehen wir vor einer Käserei. Ach, das ist ja der Besitzer vom Käsekästle, ruft Uli. Den kenne ich vom Markt in Emmendingen. Und tatsächlich, wir sind am Schwendehof und Christoph Schäfer, gelernter Landwirt mit Zusatzqualifikation als Käser, bewirtschaftet den 250 Jahre alten Hof seit dem Jahr 2000. Seit 2006 werden hier 70 Milchschafe gehalten und die Kuhmilch kommt vom Hierahof. Von beiden Betrieben wird die Milch in der Käserei zu verschiedenen Käse- und Milchprodukten verarbeitet – nach Biolandkriterien.

SchwendehofWir setzen uns auf die Holzbank, holen aus dem Kühlschrank einen Biokäse und ein Glas Heidelbeerjoghurt und dazu ein kühles Bier. Mit Christoph Schäfer kommen wir gleich ins Gespräch über Biohaltung und –nahrung, über die Schönheit der Landschaft und das oftmals beschwerliche Leben hier oben, vor allem im langen Winter. Genüsslich verspeisen wir den Käse und unsere weiteren Vorräte aus den Tiefen der Rucksäcke. Jetzt merke ich, dass ich doch ziemlich müde bin und denke mit Grausen an den ansteigenden Weg durch den Wald nach Oberfischbach. Doch wir haben Glück, Christoph kennt den lauschigen Sportplatz, der oben im Wald samt einer Grillhütte versteckt liegt. Es seien nur noch 15 Minuten, meint er und satt und fröhlich machen wir uns auf den Weg. Und tatsächlich, nach etwas mehr als einer Viertelstunde erreichen wir den wunderschönen Grillplatz mit Hütte und einem fröhlich sprudelnden Brunnen. Eine junge Familie packt gerade ihre Picknicksachen in ihr Auto und überlässt uns lächelnd ihre restlichen, auf dem Grill liegenden Würstchen.

WürstchenWir freuen uns über diese nette Geste und essen in der untergehenden Abendsonne. Es ist vollkommen still, nur die Tannenwipfel rauschen und die Welt kommt uns so friedlich vor. Da wir alleine sind, können wir uns ungeniert am Brunnen waschen und wir haben sogar noch genügend Licht, unsere Wanderkleidung ebenfalls zu waschen. Nachdem wir diese zum Trocknen an der mitgebrachten Leine aufgehängt haben, bauen wir in Nullkommanichts unser Zelt auf und wenige Minuten später liegen wir satt, müde und zufrieden in unseren Daunenschlafsäcken – Morpheus kann kommen.